Baden, Stadt der Bäder
- Corinna
- 14. März
- 6 Min. Lesezeit
Wunderschön sieht sie aus, die Stadt Baden. Angelockt wurde ich nicht speziell wegen der Bäder, sondern wegen ihrer Altstadt, der Limmat und dem schönen Wetter. Und den 'Heissen Brunnen', von denen mir Gisela erzählte. Und der Bäderstadt, wie sich ein Teil von Baden nennt und und und...kurz gesagt: ich wollte dort einen entspannten Frühlingstag geniessen.

Vom Bahnhof aus hatte ich nun die Wahl: der Limmat entgegen laufend musste ich mich entscheiden: erst nach links in Richtung Bäderstadt? Oder doch erst nach rechts in Richtung Altstadt? Kurz überlegt und schon drehte ich nach links ab und lief los. Bei schönstem Wetter lief ich oberhalb der Limmat in Richtung Casino, und von dort nach unten an die Limmat, dorthin, wo sich die Bäder befinden.

Nach etwa 10 Minuten Gehzeit war ich bereits an der Limmat angelangt: auf der einen Seite noch in Baden, nach dem Gang über die Brücke befand ich mich in Ennetbaden. Gemächlich floss die Limmat dahin und ich konnte die Fassaden der Bäderstadt erblicken.

Da Ennetbaden nicht mein Ziel war, kehrte ich auf der Brücke wieder um und lief auf einer Treppe, die hinter die Häuserzeile führte, wieder runter auf Höhe der Limmat.


Die Badekultur in Baden hat eine lange Tradition: bereits die Römer wussten die Thermalquellen zu schätzen und entspannten sich hier regelmässig in den Thermen.
Quellen aus dem 12. und 13. Jahrhundert bezeugen, dass sich in dieser Zeit wohl die Hotellerie in Baden entwickelte und diese um die Gäste konkurrierte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dann in erster Linie gut betuchte Gäste angezogen, die dann aber nach Ausbruch des 1. Weltkriegs nicht mehr kamen. Später wurde wie in vielen mondänen Orten in der Schweiz viel Geld investiert, doch kaum begannen die Geschäfte wieder zu laufen, kam der 2. Weltkrieg und machte viele Bemühungen zunichte. Danach konnten die alten Bäderhotels die Anforderungen der Gäste nicht mehr erfüllen und so wurde in den 1960er Jahren nochmals viel Geld investiert.



2021 wurde das Thermalbad 'Fortyseven', erbaut von Mario Botta, eröffnet. Mit seiner Grösse und der modernen Architektur ist dies ein interessanter Kontrast zu den klassischen Bäderanstalten und Hotels, finde ich jedenfalls. Allerdings war ich nicht drinnen, kann euch also nicht sagen, wie es dort ist. Ihr wisst ja, ich lieg nicht so gerne im warmen Wasser rum...

Als ich mich etwas mit der Badekultur befasste, fand ich einige interessante Fakten: während heute die einen regelmässig ins Thermalbad gehen, andere sich mal ein Wochenende Wellness Urlaub gönnen, gab es früher richtige Bäderkuren. Das hiess, dass die Leute mehrere Wochen am Stück in solchen Bädern wie in Baden verbrachten und dort die Verweildauer im Wasser kontinuierlich steigerten. Bis irgenwdann die Haut anfing zu bluten. Der Gedanke dabei war, dass alles Schlechte so den Körper verlassen konnte. Wenn nun die Haut so gereizt war (nicht nur durch das Wasser an sich sondern auch durch die vielen Mineralien) und schliesslich verkrustete, wurden die Badezeiten wieder verringert. Und so konnten die Leute nach einem bis zu etwa zweimonatigem Aufenthalt wieder frisch gestärkt und von allem Schlechten befreit, wieder nach Hause zurückkehren.
Nun, nach der Bäderstadt machte ich mich wieder auf den Rückweg, vorbei am Casino und Bahnhof und weiter in die Altstadt.

Beim Gang vom Bahnhof durch die Innenstadt seht ihr schon von Weitem den Stadtturm. Dieser wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erbaut und ist der einzige Wehrturm der ehemaligen Stadtbefestigung, der noch existiert. In den Jahren 1846 bis 1985 diente er übrigens als Gefängnis und wirde heute nur noch für öffentliche Anlässe genutzt. Wenn ihr durch das Tor geht, kommt ihr zur weissen Gasse, was die Fussgängermeile von Baden ist.

Der Gang durch die Altstadt hat mich begeistert. Es geht hoch und runter und es sind nicht nur die grossen Geschäfte dort vertreten, sondern auch viele kleine und sehr spezielle Läden. Auch Cafés und Restaurants locken mit ihrem vielfältigen Angebot zu einer Pause.
Hier ein paar Impressionen der Altstadt:







Ich ging also die Altstadt rauf und runter...und wieder rauf. Denn schliesslich wollte ich ja auch noch die Ruine Stein besichtigen.

Stolz thront sie da oben, die Ruine Stein. Ein paar Treppen bewältigen in der Frühlingssonne, das würde ein richtiger Genuss werden, dachte ich.




Nun, was soll ich sagen? Die Aussicht beimHochsteigen war famos, mein Gekeuche ebenso und die Frühlingssonne wärmte bei jedem Schritt heftiger. Ich kann euch gar nicht alle Bilder zeigen, die ich beim hochlaufen gemacht habe...nur damit ich wieder mal zu Atem kommen, ächz...Aber: es hat sich gelohnt.

Uff, endlich hatte ich es geschafft und kam zur Ruine. Von dort seht ihr ganz Baden, hinüber zur Lägern, der Gratwanderung von Baden bis nach Regensberg.


Burg Stein wurde übrigens im 11. Jahrhundert erbaut und wechselte immer wieder mal die Besitzer. Durch regelmässige Massnahmen blieben der Wachturm und die Kappelle bis heute bestehen.
So, nach Verschnaufpause und Geniessen der Aussicht, war es an der Zeit, wieder in die Altstadt runterzusteigen, über die Autobrücke die Limmat zu queren, um dann bei der Holzbrücke erneut über die Limmat in die Altstadt zurück zu laufen.

Es war ein ganz wunderbarer und entspannter Tag, den ich in Baden verbrachte. Doch den Abstecher dorthin hatte ich bis zum jetzigen Tag nur zwei Mal zuvor gemacht: einmal vor vielen Jahren, woran ich mich aber nur noch vage erinnere. Das zweite Mal fünf Tage vor diesem Ausflug. Dabei sah ich aber nicht mehr als die Altstadt und nutzte nun die Chance, auch den Schlossberg und die Bäderstadt zu besichtigen. Und es hat sich gelohnt. Baden ist ein Ausflug wert, erst recht, wenn ihr gerne wellnessen geht.
So oder so, wünsche ich euch dort viel Vergnügen und bis zum nächsten Mal
Corinna
P.S. Noch ein paar Fun Facts am Rande:
Wusstet ihr, dass Baden die erste elektrische Strassenbeleuchtung der Schweiz erhielt? Das war Ende des 19. Jahrhunderts.
Sagt euch der Begriff 'Spanisch -Brötli -Bahn' etwas? Dies war die erste längere Zugverbindung in der Schweiz, welche ab 1847 zwischen Baden und Zürich fuhr. Ausser Passagieren sollen auf diesem Wege auch Unmengen an 'Spanischbrödli', eine Blätterteig Spezialität aus Baden,tnach Zürich ransportiert worden sein. Deshalb der Name.
1934 war Baden Gastgeber eines wichtigen Schachturniers, an dem viele bekannte Teilnehmer mitmachten. Seither ist Baden ein bekanntes Schachzentrum.
Und noch was zur Bäderkultur: wenn man so tagelang während Stunden (das konnten locker acht Stunden und mehr sein!) im warmen Wasser sass, wurde es ja mit der Zeit langweilig. Was also sollte man tun? Man ass, man trank und da Frauen und Männer gemeinsam badeten, wurde auch heftigst miteinander geflirtet...wenn man es denn so nennen will...Zu diesen Badekuren wurden regelmässig 'Hübschlerinnen' angefordert, die den Herren die Zeit vertrieben. Doch auch die Frauen kamen nicht zu kurz und liessen sich gar per Ehevertrag zusichern, dass sie einmal im Jahr eine Badekur machen durften. So dürfte wohl jeder auf seine Kosten gekommen sein.
Und falls ihr nicht wisst, was eine Hübschlerin ist: Ab etwa dem 18. Jahrhundert wurden Prostituierte so bezeichnet, da diese sich 'hübsch' machen durften, ehrbare Frauen aber nicht. So einfach war das...
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